Wir müssen reden. Über Respekt, Verantwortung und die Menschen hinter callavet.
Ein offenes Wort der Praxisleitung – weil auch wir Menschen sind.
15. Oktober 2026
Es gibt Momente, in denen man nicht länger schweigen möchte. Nicht, weil man keine Kritik verträgt. Nicht, weil man sich für unfehlbar hält. Und ganz sicher nicht, weil man glaubt, alles richtig zu machen. Sondern weil irgendwann eine Grenze erreicht ist.
Wir haben uns lange überlegt, ob wir diesen Artikel veröffentlichen sollen. Ob wir weiterhin freundlich lächeln, Kritik herunterschlucken und einfach versuchen, es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Aber wir haben uns bewusst für einen anderen Weg entschieden.
Wir möchten Klartext reden. Ehrlich, offen und auch emotional. Denn die vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen.
Nicht nur bei uns als Unternehmen. Sondern bei den Menschen, die jeden Tag für Ihre Tiere da sind.
Vielleicht wundern Sie sich beim Lesen, wie viele Themen wir hier ansprechen. Es geht um Rechnungen und Bewertungen, um unser Team, um schwere medizinische Entscheidungen, um Abschiede und um das, was hinter verschlossenen Türen geschieht. Dieser Text ist keine gewöhnliche Stellungnahme zu einer einzelnen Beschwerde. Er ist das, was sich nach vielen Monaten des Einsteckens, Erklärens und Weitermachens angesammelt hat. Unser emotionales Fass ist inzwischen voll. Deshalb kommt heute vieles auf einmal zur Sprache – nicht, um jemanden anzugreifen, sondern damit endlich sichtbar wird, was die vergangenen Monate mit uns gemacht haben.
Wir alle bringen nicht nur unsere fachlichen Fähigkeiten mit zur Arbeit, sondern auch unser eigenes Leben, unsere Sorgen und persönlichen Päckchen. Viele von uns haben diesen Helferberuf gerade deshalb gewählt, weil sie mitfühlend sind. Diese Empfindsamkeit ist eine Stärke unserer Arbeit – sie macht verletzende Worte aber nicht leichter erträglich.
Wir sind nicht die Praxis von früher. Und wir werden es auch nicht sein.
Anfang 2026 haben wir die ehemalige Tierarztpraxis von Herrn Gemmerich in Geisenheim übernommen. Er hat diese Praxis über Jahrzehnte geprägt. Viele Menschen haben ihm ihre Tiere anvertraut, ihn persönlich gekannt und seine Arbeit geschätzt. Das respektieren wir ausdrücklich.
Wir verstehen, dass ein solcher Wechsel nicht einfach ist. Dass Menschen an Gewohnheiten hängen, vertraute Gesichter vermissen und Veränderungen zunächst kritisch betrachten. Aber was wir zunehmend erleben, geht weit über die verständliche Enttäuschung über einen Praxiswechsel hinaus.
Wir werden immer wieder mit der früheren Praxis verglichen: mit den damaligen Preisen, Abläufen, der persönlichen Betreuung und einer Struktur, die über Jahrzehnte gewachsen ist.
Doch wir sind callavet. Ein anderes Team, mit einem anderen Konzept, einer anderen personellen Aufstellung und einer eigenen Vorstellung davon, wie wir tierärztliche Versorgung langfristig gestalten möchten.
Wir möchten nicht die Vergangenheit schlechtreden. Wir möchten nur endlich die Chance bekommen, unsere eigene Zukunft aufzubauen – ohne ständig daran gemessen zu werden, wie jemand anderes vor uns gearbeitet hat.
Eine Praxis übernimmt man nicht von heute auf morgen.
Was bei all diesen Vergleichen oft vergessen wird: Eine bestehende Praxis zu übernehmen bedeutet nicht, dass ab dem ersten Tag automatisch ein eingespieltes Team und reibungslose Abläufe vorhanden sind.
Besonders schwierig war für uns, dass viele langjährige Kunden offenbar erst bei unserem Start erfuhren, dass die bisherige Praxis nicht mehr von Herrn Gemmerich geführt wird und neue Inhaber übernehmen. Eine rechtzeitige Vorbereitung auf diesen Wechsel hatte aus unserer Sicht nicht stattgefunden. Wir standen plötzlich vor Menschen, die völlig überrascht waren, ihren vertrauten Tierarzt und die gewohnten Abläufe nicht mehr vorzufinden. Wir verstehen, dass das Enttäuschung, Unsicherheit und auch Ärger ausgelöst hat. Doch auch für uns war diese Situation ein ausgesprochen schwerer Einstieg – und so hatten wir uns die Übernahme nicht vorgestellt.
Gleich in den ersten Wochen kam vieles zusammen: die Zeit unmittelbar nach den Feiertagen, ein außergewöhnlich hoher Patientenandrang, neue Räumlichkeiten und Abläufe sowie technische Schwierigkeiten mit der telefonischen Erreichbarkeit. Gleichzeitig waren wir personell sehr knapp besetzt. Zeitweise musste eine einzige Person versuchen, ankommende Patienten zu betreuen, den Praxisbetrieb zu organisieren und parallel das Telefon zu bedienen. Das war schlicht nicht immer gleichzeitig zu schaffen.
Dass Anrufe unbeantwortet blieben und Wartezeiten entstanden, war für unsere Kunden ärgerlich – das bestreiten wir nicht. Wir hätten uns selbst einen ruhigeren, besser vorbereiteten Start gewünscht. Aber es war weder mangelndes Interesse noch Geringschätzung. Wir wurden regelrecht überrannt und versuchten unter schwierigen Bedingungen, zuerst den Menschen und Tieren vor Ort gerecht zu werden. Gerade deshalb haben uns die teils massiven persönlichen Vorwürfe in dieser Anfangszeit besonders getroffen.
Wir erzählen das nicht, um Verantwortung abzugeben oder den früheren Praxisinhaber anzugreifen. Wir möchten nur erklären, unter welchen Umständen wir gestartet sind. Wer unsere ersten Wochen erlebt hat, hat nicht den eingespielten Betrieb gesehen, den wir aufbauen wollen, sondern ein neues Team mitten in einer anspruchsvollen Übergangsphase. Dafür wünschen wir uns rückblickend etwas mehr Verständnis.
Wir haben Anfang 2026 mit einer kleinen Mannschaft angefangen. Leider haben uns Teile des bisherigen Personals bereits vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit verlassen. So mussten wir von Beginn an mit personellen Engpässen umgehen – während wir gleichzeitig eine laufende tierärztliche Versorgung aufbauen und zuverlässig anbieten wollten.
Wir sind als Team bis heute im Aufbau. Neue Kolleginnen und Kollegen müssen gefunden, eingearbeitet und miteinander vertraut werden. Zuständigkeiten müssen geklärt, Abläufe entwickelt und immer wieder angepasst werden. Was heute noch umständlich erscheint, kann in einem Jahr bereits deutlich besser funktionieren. Wir arbeiten daran – jeden Tag.
Und auch die Suche nach qualifiziertem Personal ist alles andere als einfach. Tierärztinnen, Tierärzte und tiermedizinische Fachangestellte wachsen nicht auf Bäumen. Wer erlebt, wie körperlich und emotional fordernd diese Berufe sind und wie hart der Umgangston von außen werden kann, versteht vielleicht, warum es zunehmend schwerfällt, Menschen dafür zu gewinnen und langfristig zu halten.
Dabei haben wir unsere Praxis gerade deshalb eröffnet, weil uns in unserer langjährigen mobilen Tätigkeit immer wieder dieselben Fragen gestellt wurden: Warum haben Sie keine eigenen Praxisräume? Warum können Sie nicht gleich röntgen, Ultraschall machen oder Blut untersuchen? Wir haben zugehört. Wir wollten die Möglichkeiten schaffen, die sich unsere Kunden gewünscht haben – und die ihren Tieren helfen können.
Der ursprüngliche Gedanke hinter callavet war dabei nie, mit Tiermedizin reich zu werden. Unsere Gründerin hat den mobilen Dienst mit dem Wunsch aufgebaut, Tiere möglichst stressarm zu behandeln: ängstliche Patienten in ihrer vertrauten Umgebung, Menschen, die selbst nicht mobil sind, und ganz besonders schwer kranke Tiere, die ihren letzten Weg in Ruhe zu Hause gehen dürfen – statt auf einem fremden Behandlungstisch. Dafür war sie gerade in der Anfangszeit über Jahre beinahe rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche erreichbar. Ein solches Engagement kostet nicht nur Arbeitsstunden, sondern häufig auch viel Privatleben und persönliche Kraft.
Erst mit der Zeit wurde der Wunsch unserer Kunden nach festen Praxisräumen immer lauter: nach Röntgen, Ultraschall, Laboruntersuchungen und zusätzlichen diagnostischen Möglichkeiten. Wir haben diesen Wunsch ernst genommen und den Schritt zur stationären Praxis gewagt – nicht, weil uns die mobile Arbeit zu wenig war, sondern weil wir noch mehr für die Tiere und ihre Menschen anbieten wollten.
Diesen Schritt sind wir gegangen. Aber eine Praxis mit diesen Möglichkeiten entsteht nicht über Nacht. Wir investieren in Menschen, Geräte und Ausstattung. Wenn Mitarbeiter Arbeitsmaterial benötigen, das ihre Arbeit erleichtert, suchen wir nach einer Lösung. Wenn unsere Ärzte weitere Technik brauchen, prüfen wir, wie wir sie ermöglichen können. Wir wollen nicht nur gute Medizin anbieten, sondern auch einen Arbeitsplatz schaffen, an dem sich Menschen unterstützt, ernst genommen und wohlfühlen.
Gerade deshalb trifft es uns besonders, wenn Mitarbeiter nach einem ohnehin anstrengenden Tag mit Tränen in den Augen nach Hause gehen und sich fragen, wie lange sie die Anfeindungen noch aushalten – und wofür. Diese Menschen sollen nicht das Gefühl bekommen, dass ihre tägliche Mühe nichts zählt.
Und eines möchten wir ausdrücklich sagen: Wir nehmen Kritik ernst. Wir sprechen über Fälle, prüfen, warum eine Entscheidung getroffen wurde und weshalb eine Situation bei einem Tierhalter anders angekommen ist. Wir besprechen im Team, was besser laufen könnte, passen Abläufe an und schulen nach, wenn es nötig ist. Uns ist das nicht gleichgültig.
Am meisten hilft uns dabei eine konkrete, möglichst zeitnahe und persönliche Rückmeldung. Eine verletzende Google-Bewertung, die erst Monate später geschrieben wird, macht die Aufarbeitung schwer. Wird sie zudem anonym veröffentlicht, können wir den beschriebenen Vorgang mitunter nicht einmal eindeutig zuordnen. Dann fehlt uns die Möglichkeit, gezielt nachzufragen, den Fall nachzuvollziehen und etwas zu verändern.
Wir möchten keine Kritik zum Schweigen bringen. Wir wünschen uns Kritik, mit der wir arbeiten können – fair, konkret und im besten Fall im direkten Gespräch. Bitte geben Sie uns die Chance, als neues Team zusammenzuwachsen und die Praxis Schritt für Schritt zu dem Ort zu machen, den wir für Ihre Tiere schaffen möchten.
Sieben Tage die Woche für Ihre Tiere da zu sein, ist keine Selbstverständlichkeit.
Wir beschäftigen mehrere Tierärztinnen und Tierärzte sowie tiermedizinische Fachangestellte und weitere Mitarbeiter. Nicht, weil wir möglichst hohe Rechnungen schreiben möchten, sondern weil wir eine Versorgung anbieten wollen, die über die üblichen Öffnungszeiten vieler Praxen hinausgeht.
Sieben Tage die Woche. Auch samstags, sonntags und an Feiertagen. Bis zu zwölf Stunden täglich.
Während die tierärztliche Versorgung außerhalb regulärer Sprechzeiten vielerorts schwieriger wird, möchten wir genau dort ansetzen. Wir möchten erreichbar sein, wenn ein Tier am Sonntag plötzlich krank wird, wenn am Feiertag Schmerzen auftreten oder wenn Tierhalter verzweifelt nach Hilfe suchen. Unser Wunsch ist es sogar, diese Versorgung künftig auszubauen.
Doch dafür braucht es Menschen: Menschen, die am Wochenende arbeiten, freie Abende opfern, Feiertage nicht immer mit ihren Familien verbringen und Verantwortung übernehmen, wenn ein Tier dringend Hilfe braucht. Es braucht Personal, Räume, Medikamente, Geräte und Fortbildungen. Und ja, all das kostet Geld.
Tierärztliche Leistungen werden in Deutschland nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) abgerechnet. Diese ist geltendes Recht und gibt einen verbindlichen Gebührenrahmen vor. Wir verstehen, dass Tierarztrechnungen eine erhebliche finanzielle Belastung sein können. Wir sind bereit, Kosten zu erklären, Behandlungsoptionen zu besprechen und nach medizinisch vertretbaren Alternativen zu suchen.
Auch die umfassende Reform der GOT, die am 22. November 2022 in Kraft trat, haben nicht wir beschlossen. Erstmals seit 1999 wurde die Gebührenordnung grundlegend überarbeitet; mit ihr haben sich viele tierärztliche Leistungen verteuert. Dass das für Tierhalter schmerzhaft sein kann, verstehen wir sehr gut – und wir haben die höheren Belastungen keineswegs einfach begeistert begrüßt. Zugleich müssen wir nach den geltenden Regeln abrechnen. Bitte unterscheiden Sie zwischen einer gesetzlichen Vorgabe und der Unterstellung, eine einzelne Praxis habe sich diese Preise ausgedacht.
Aber wir sind keine Halsabschneider, nur weil wir unsere Arbeit ordnungsgemäß abrechnen.
Wir möchten uns nicht dafür entschuldigen müssen, dass wir unsere Mitarbeiter bezahlen und eine Praxis wirtschaftlich so führen, dass sie auch in einigen Jahren noch für ihre Patienten da sein kann.
Tiermedizin verändert sich. Und wir müssen darüber reden.
Die tiermedizinische Landschaft verändert sich seit Jahren. Immer mehr Tierarztpraxen und Kliniken schließen sich größeren Unternehmensgruppen an. Zwei Beispiele sind besonders bekannt: AniCura gehört seit 2018 zum Mars-Konzern; an IVC Evidensia ist Nestlé Purina als Minderheitsinvestor beteiligt. Dass selbst große Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich inzwischen in der Tiermedizin investieren, zeigt, wie sehr sich unsere Branche verändert.
Diese Entwicklung macht uns nachdenklich. Wo finanzstarke Konzerne wachsen, geraten unabhängige Praxen unter zusätzlichen Druck. Natürlich benötigen alle Anbieter eine tragfähige Finanzierung, und auch in großen Klinikgruppen arbeiten Menschen mit großer Tierliebe. Doch wir möchten, dass tierärztliche Entscheidungen medizinisch begründet und nicht von Renditeerwartungen bestimmt werden. Gerade kleinere, eigenständige Praxen müssen die Möglichkeit behalten, ihre Versorgung nach fachlichen und menschlichen Überzeugungen zu gestalten.
Wir möchten damit nicht die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in großen Kliniken infrage stellen. Dort arbeiten ebenfalls engagierte Menschen, die sich täglich für Tiere einsetzen. Aber eines möchten wir deutlich machen:
Unsere persönliche Motivation, diesen Beruf zu ergreifen, war niemals die Aussicht auf großen finanziellen Gewinn.
Viele von uns haben sich schon vor vielen Jahren oder Jahrzehnten für die Tiermedizin entschieden. Wir wussten, dass dieser Beruf körperlich anstrengend ist, Arbeitszeiten schwierig sein können und die Bezahlung – gerade in Assistenzberufen – häufig nicht im Verhältnis zur Verantwortung steht. Wir wussten, dass uns Krankheit, Schmerz, Leid und Tod begegnen würden. Trotzdem haben wir uns dafür entschieden.
Weil wir Tiere lieben. Weil wir helfen wollen. Weil ein Patient, der nach schwerer Krankheit wieder frisst oder aufsteht, einen ganzen schwierigen Tag verändern kann.
Natürlich muss unsere Praxis wirtschaftlich arbeiten. Aber Wirtschaftlichkeit ist für uns die Voraussetzung dafür, weiterhin helfen zu können – nicht der Grund, weshalb wir morgens aufstehen.
Nicht jede Entscheidung wird danach getroffen, womit wir am meisten verdienen.
Bei der Auswahl von Medikamenten und Behandlungen beschäftigen wir uns mit Wirksamkeit, Verträglichkeit, möglichen Nebenwirkungen und aktuellen medizinischen Erkenntnissen. Wir schauen, welche Präparate für den jeweiligen Patienten geeignet sind.
Dabei kann es vorkommen, dass wir bewusst ein teureres Produkt empfehlen, weil es uns im konkreten Fall medizinisch sinnvoller erscheint. Teurer bedeutet natürlich nicht automatisch besser. Wo es geeignete günstigere Möglichkeiten gibt, möchten wir sie ebenso berücksichtigen und Unterschiede erklären.
Unsere Frage lautet nicht zuerst: Womit verdienen wir am meisten? Sondern: Was ist für dieses Tier medizinisch sinnvoll?
Wir investieren Zeit in die Suche nach passenden Medikamenten, Fortbildungen, bessere Praxisabläufe und den Aufbau unseres Teams. Wir möchten Medizin machen, hinter der wir fachlich und menschlich stehen können. Und es verletzt uns, wenn pauschal behauptet wird, unsere Empfehlungen dienten ausschließlich finanziellen Interessen.
Nicht jede Arbeit findet vor den Augen unserer Kunden statt.
Natürlich erreichen uns Beschwerden über organisatorische Dinge. Eine Rechnung muss korrigiert werden, eine Rückmeldung dauert länger als erwartet, eine Anfrage aus der Buchhaltung ist noch nicht bearbeitet. Wir verstehen, dass das ärgerlich ist. Und ja, auch diese Abläufe müssen funktionieren.
Vielleicht hilft aber ein Blick hinter die Kulissen. Während wir großen Wert darauf legen, ausreichend medizinisches Personal für die Versorgung unserer Patienten einzuplanen, kümmern sich zwei Mitarbeiter um die vielfältigen administrativen Aufgaben im Hintergrund: Buchführung, Rechnungsprüfung und -korrekturen, Personalangelegenheiten, organisatorische Abläufe, Rückfragen und vieles mehr. Diese Aufgaben laufen parallel zum täglichen Praxisbetrieb – und die beiden haben weit mehr zu tun, als einzelne Rechnungen zu bearbeiten.
Deshalb lässt sich nicht jedes Anliegen sofort erledigen. Manchmal dauert eine Rechnungskorrektur oder Rückmeldung länger, als auch wir es uns wünschen würden. Wir verstehen, dass das ärgerlich ist, und arbeiten daran, unsere Abläufe weiter zu verbessern. Wir bitten aber auch um Verständnis für die Vielzahl der Aufgaben, die zwei Menschen im Hintergrund bewältigen müssen.
Doch eine verspätete Rückmeldung ist nicht automatisch Gleichgültigkeit.
Wir arbeiten daran, unsere Organisation zu verbessern. Gleichzeitig setzen wir einen großen Teil unserer Ressourcen bewusst dort ein, wo sie unmittelbar gebraucht werden: bei unseren Patienten. Bitte vermuten Sie hinter einer Verzögerung nicht sofort böse Absicht oder mangelnden Respekt.
Unsere Tierärzte sind nicht weniger wert, weil sie aus anderen Ländern kommen.
In unserem Team arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft, unter anderem tierärztliche Kollegen aus Myanmar und dem Iran. Und wissen Sie was? Wir sind stolz darauf.
Stolz auf Menschen, die für ihren Beruf brennen, Tiere lieben und sich engagiert einbringen. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, hier eine neue Sprache lernen, sich fachlich fortbilden und in einem anderen Land zurechtfinden müssen.
Ja, manchmal gibt es sprachliche Unsicherheiten. Ja, vielleicht muss man eine Frage wiederholen oder etwas genauer erklären. Daran arbeiten unsere Kollegen täglich. Medizinische Informationen müssen verständlich vermittelt werden; dabei unterstützen wir uns als Team.
Aber aus einer sprachlichen Hürde abzuleiten, jemand sei deshalb ein schlechterer Tierarzt, ist unfair. Besonders verletzend sind Behauptungen, unsere Kollegen dürften in Deutschland überhaupt nicht tierärztlich arbeiten.
Unsere tierärztlichen Mitarbeiter verfügen über die für ihre jeweilige Tätigkeit erforderlichen behördlichen Erlaubnisse.
Die Herkunft eines Menschen entscheidet nicht über Mitgefühl, Intelligenz oder fachliche Kompetenz. Wir beurteilen unsere Kollegen danach, wie sie arbeiten, mit Tieren umgehen und welche Werte sie vertreten – nicht nach ihrem Geburtsort.
Auch junge Tierärzte verdienen Respekt.
Ebenso erleben wir, dass jungen Kolleginnen und Kollegen allein wegen ihres Alters oder ihrer kürzeren Berufserfahrung Kompetenz abgesprochen wird. Eine junge Tierärztin, die nach ihrem Studium bei uns in den Beruf startet, hat eine anspruchsvolle akademische Ausbildung absolviert und Prüfungen bestanden.
Natürlich wächst praktische Erfahrung mit den Jahren. Und selbstverständlich gibt es Situationen, in denen erfahrenere Kollegen hinzugezogen werden sollten. Genau dafür arbeiten wir als Team.
Wer möchte, dass es auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gute Tierärzte gibt, muss jungen Menschen die Chance geben, in diesem Beruf Erfahrung zu sammeln.
Sie verdienen Unterstützung, fachlichen Austausch und Respekt – nicht Herabwürdigung.
Ja, auch wir können Fehler machen.
Wir behaupten nicht, dass bei uns immer alles perfekt läuft. Nicht jede Diagnose steht sofort fest; nicht jedes Gespräch gelingt gleich gut; auch organisatorisch kann etwas schiefgehen. Wenn Fehler passieren, müssen wir darüber sprechen, Verantwortung übernehmen und daraus lernen.
Aber Tiermedizin ist nicht immer eindeutig. Unsere Patienten können uns nicht sagen, wo es weh tut, wann ein Symptom begonnen hat oder wie sich ein Schmerz anfühlt. Wir sind auf Beobachtungen der Besitzer, Untersuchungen und gegebenenfalls weiterführende Diagnostik angewiesen. Manchmal ergeben sich zunächst mehrere Verdachtsdiagnosen. Manchmal entwickelt sich eine Erkrankung anders als erwartet.
Wir können keine Wunder versprechen. Und wir können nicht in die Zukunft schauen.
Wir möchten Behandlungsmöglichkeiten verständlich erklären und Tierhalter in Entscheidungen einbeziehen. Neben der wissenschaftlich fundierten tiermedizinischen Versorgung können – wenn geeignet und gewünscht – ergänzende Maßnahmen besprochen werden. Wir bilden uns fort, hinterfragen Entscheidungen und möchten uns stetig verbessern.
Zwischen Dankbarkeit und vernichtender Kritik – zwei unterschiedliche Welten.
Bei all der Kritik, die gerade online über unsere Praxis zu lesen ist, entsteht manchmal ein Bild, das so gar nicht zu unserem Alltag passt.
Wir bekommen sehr viel positives Feedback.
Menschen bedanken sich, loben unsere Erreichbarkeit, Freundlichkeit, Fürsorge und den Umgang mit ihren Tieren. Sie erzählen, wie erleichtert sie waren, am Wochenende Hilfe gefunden zu haben, oder wie gut es ihrem Tier nach einer Behandlung wieder geht. Solche Begegnungen bedeuten uns viel.
Dann lesen wir öffentliche Bewertungen und fragen uns manchmal, ob dort überhaupt von derselben Praxis die Rede ist. Auf der einen Seite werden wir als herzlich, engagiert und hilfsbereit erlebt; auf der anderen als herzlos, inkompetent und ausschließlich am Geld interessiert beschrieben.
Natürlich macht jeder Mensch eigene Erfahrungen. Auch berechtigte Kritik gehört dazu. Aber wir beobachten etwas, das viele Betriebe kennen: Zufriedenheit wird oft persönlich geäußert, während Enttäuschung eher öffentlich sichtbar wird. Ein freundliches Dankeschön bleibt zwischen zwei Menschen; ein negativer Eintrag bleibt lange im Internet stehen.
Das kann ein verzerrtes Bild entstehen lassen. Nicht, weil negative Bewertungen grundsätzlich unberechtigt wären, sondern weil sie nur einen Teil der Erfahrungen zeigen.
Unsere Mitarbeiter lesen diese Bewertungen. Und sie fragen sich, ob ihre tägliche Arbeit überhaupt gesehen wird.
Deshalb möchten wir alle, die gute Erfahrungen mit uns gemacht haben, ausdrücklich einladen, auch diese öffentlich zu teilen – ehrlich, in ihren eigenen Worten, ohne jede Verpflichtung.
Wir wünschen uns keine geschönte Außendarstellung. Wir wünschen uns ein faires Bild, mit allem, was gut läuft, und allem, woran wir noch arbeiten müssen.
Die schwersten Entscheidungen sieht man keiner Rechnung an.
Ein Teil unseres Berufs ist von außen kaum zu begreifen: Wir müssen mit Tierhaltern über das Lebensende sprechen. Wir müssen erklären, wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, wenn weitere Behandlungen mehr Leid als Hilfe bedeuten und wenn Einschläfern die letzte verantwortbare Möglichkeit sein kann.
Ein Tier ist für seine Menschen oft weit mehr als ein Haustier. Es ist Familienmitglied, Gefährte, bester Freund, manchmal der wichtigste Halt im Alltag. Wir wissen das. Viele von uns kennen diese Bindung aus dem eigenen Leben.
Und dann sind wir diejenigen, die gemeinsam mit den Besitzern eine kaum erträgliche Entscheidung besprechen und die Euthanasie schließlich durchführen müssen. Wir sehen Abschied, Verzweiflung und Tränen – und tragen einen Teil davon mit uns.
Für uns ist das nicht einfach irgendein Tier und nicht einfach die nächste Behandlung.
Wir nehmen diese Momente mit nach Hause. Denken über Patienten nach, wenn unsere Schicht längst vorbei ist. Freuen uns über ein gerettetes Leben und trauern, wenn wir nichts mehr tun können.
Man könnte sagen: „Dann sucht euch eben einen anderen Beruf.“ Aber genau das wäre die falsche Schlussfolgerung. Wir machen diese Arbeit, weil wir mitfühlen. Und gerade deshalb treffen uns solche Situationen.
Hinzu kommen die körperliche Arbeit, herausfordernde Dienste, hohe Verantwortung und der tägliche Umgang mit belastenden Schicksalen. Studien weisen seit Jahren auf erhebliche psychische Belastungen in tiermedizinischen Berufen hin; in manchen Untersuchungen zeigt sich auch ein erhöhtes Suizidrisiko unter Tierärztinnen und Tierärzten. Dafür gibt es nicht nur eine Ursache. Aber wir sollten endlich darüber sprechen, statt die Belastung zu übersehen.
Ein freundliches Wort kann für ein erschöpftes Team mehr bedeuten, als man sich vorstellen kann. Und eine persönliche Herabwürdigung kann länger nachwirken, als vielen bewusst ist.
Eine Einschläferung ist kein Auftrag, den man einfach ausführt.
Gerade bei Hausbesuchen geraten wir immer wieder in eine besonders schwierige Situation: Wir werden angerufen mit den Worten: „Mein Tier muss erlöst werden.“ Häufig kennen wir dieses Tier überhaupt nicht. Der bisher behandelnde Tierarzt bietet möglicherweise keine Hausbesuche an. Uns fehlen die Krankenakte, frühere Untersuchungsergebnisse und der genaue Verlauf.
Deshalb können und dürfen wir nicht allein aufgrund eines telefonischen Wunsches davon ausgehen, dass eine Euthanasie medizinisch gerechtfertigt ist. Vor Ort müssen wir untersuchen, nachfragen und abwägen: Welche Erkrankungen liegen vor? Welche Therapien wurden bereits versucht? Gibt es Schmerzen, und wurden sie ausreichend behandelt? Bestehen noch realistische Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten?
Ein älteres Tier, das schlecht läuft, muss nicht zwangsläufig eingeschläfert werden – insbesondere dann nicht, wenn eine angemessene Schmerztherapie oder andere Hilfen noch gar nicht geprüft wurden. Auch ein Tier, das in die Wohnung uriniert oder Kot absetzt, muss nicht automatisch sterben. Dahinter können Erkrankungen, Schmerzen, altersbedingte Veränderungen oder andere behandelbare Ursachen stehen.
Natürlich gibt es auch Situationen, in denen weiteres Abwarten nicht mehr zumutbar wäre und ein friedliches Einschlafen ein letzter Akt der Fürsorge ist. Und wir wissen, dass Pflege, Krankheit und Kosten Familien an ihre Grenzen bringen können. Das nehmen wir ernst. Aber die verständliche Überforderung eines Menschen ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer medizinischen Indikation zur Tötung des Tieres.
Wenn wir nach der Untersuchung erklären müssen, dass wir eine Einschläferung zum jetzigen Zeitpunkt nicht verantworten können, stoßen wir manchmal auf große Wut. Dann gelten ausgerechnet wir als kaltherzig, weil wir angeblich Leiden verlängern wollen. Dabei kann es gerade unsere Verantwortung gegenüber dem Tier sein, eine noch mögliche Behandlung oder Schmerzlinderung anzusprechen – und auch einmal Nein zu sagen.
Ein Tier kann nicht selbst für seine Behandlungsmöglichkeiten eintreten. Deshalb müssen wir genau hinsehen, bevor wir eine unwiderrufliche Entscheidung treffen.
Was unsere Tierärzte bei Hausbesuchen erleben, bleibt oft unsichtbar.
callavet war über Jahre ausschließlich mobil unterwegs. Wir haben unzählige Wohnungen und Lebenssituationen kennengelernt – liebevolle Abschiede ebenso wie Umstände, die man kaum beschreiben kann.
Manchmal kommen unsere Kolleginnen und Kollegen in Wohnungen, die von massiver Verwahrlosung geprägt sind. Sie begegnen Tieren mit lange unbehandelten Krankheiten, starken Schmerzen oder schwierigen Haltungsbedingungen. Gleichzeitig sehen sie häufig auch Menschen, die selbst krank, isoliert, pflegebedürftig oder völlig überfordert sind.
Wir erzählen das nicht, um diese Menschen bloßzustellen oder über sie zu urteilen. Hinter solchem Leid stehen oft eigene Not, Krankheit und fehlende Unterstützung. Gerade deshalb müssen wir manchmal nicht nur tiermedizinisch handeln, sondern auch menschlich Situationen auffangen, auf die uns kein Studium vollständig vorbereiten kann.
Es gab sogar Hausbesuche, bei denen schwer kranke oder bettlägerige Menschen beim Abschied von ihrem Tier unter Tränen fragten, ob wir ihnen nicht ebenfalls eine solche Spritze geben könnten.
Können Sie sich vorstellen, was eine solche Bitte mit einem Menschen macht, der eigentlich gekommen ist, um einem Tier zu helfen? Wie hilflos, traurig und erschüttert unsere Ärzte dann mitunter sind? Selbstverständlich können wir einem solchen Wunsch nicht nachkommen. Aber die Worte bleiben. Und manchmal müssen wir direkt danach schon zum nächsten Patienten.
Für derartige psychische Belastungen steht im normalen Praxisalltag nicht automatisch eine seelsorgerische Begleitung bereit. Natürlich gibt es professionelle Hilfsangebote, und wir möchten, dass sie genutzt werden können. Doch im Arbeitsalltag fehlt oft die Zeit, Erlebtes aufzufangen und gründlich zu verarbeiten.
Unser Beruf ist nicht nur körperlich schwer. Er verlangt, immer wieder mit dem Leid von Tieren und Menschen umzugehen, Entscheidungen von enormer Tragweite zu treffen und anschließend weiterzuarbeiten. Dass persönliche Angriffe, Drohungen und abwertende Bewertungen dann zusätzlich belasten, sollte niemand unterschätzen.
Wir wünschen uns, dass mehr Menschen sehen, was hinter einer Behandlung, einer schweren Entscheidung oder auch einer begründeten Ablehnung tatsächlich steckt. Nicht Gleichgültigkeit – sondern Verantwortung, Mitgefühl und manchmal ein Schmerz, den wir mit nach Hause nehmen.
Wenn nach dem Abschied die Rechnung kommt – sind wir deshalb herzlos?
Ein Vorwurf trifft uns besonders: Wir seien empathielos, weil wir manchmal unmittelbar nach der Einschläferung eines geliebten Tieres um Bezahlung bitten.
Wir verstehen, wie befremdlich und schmerzhaft dieser Moment wirken kann. Da ist gerade ein Familienmitglied gestorben. Wir sehen die Tränen, hören letzte Worte, begleiten den Abschied. Und dann müssen wir eine Rechnung stellen – eine Situation, die auch wir uns anders wünschen würden.
Aber wir möchten erklären, warum wir nicht grundsätzlich alle Rechnungen erst später verschicken.
Wir haben offene Forderungen von Kunden in fünfstelliger Höhe.
Wir haben Leistungen erbracht, die nicht bezahlt wurden. Überweisungen blieben aus, Rechnungen wurden trotz Erinnerung nicht beglichen. Auch alternative Zahlungswege lösen das Problem nicht zuverlässig. Als eigenständige Praxis können wir solche Ausfälle nicht einfach wegstecken.
Jeder fehlende Euro fehlt an anderer Stelle: bei Gehältern, Medikamenten, Geräten und der Weiterentwicklung unserer Versorgung.
Bitten wir um Kartenzahlung, gelten wir als empathielos. Fragen wir nach Bargeld, wird uns Geldgier unterstellt. Bieten wir eine spätere Überweisung oder die Abwicklung über eine Verrechnungsstelle an, gibt es wiederum Kritik am Verfahren. Manchmal fühlt es sich an, als könnten wir unabhängig vom Zahlungsweg nur verlieren.
Mitgefühl und wirtschaftliche Verantwortung schließen sich nicht gegenseitig aus.
Eine Euthanasie ist eine medizinische Leistung, verbunden mit Verantwortung, Zeit, Personal, Arzneimitteln und Kosten. Wir rechnen diese Leistung nicht ab, weil uns der Verlust gleichgültig ist, sondern weil unsere Praxis nur weiterhelfen kann, wenn erbrachte Leistungen bezahlt werden.
Das bedeutet nicht, dass wir alle Trauernden unter Generalverdacht stellen. Die große Mehrheit unserer Kunden geht selbstverständlich verantwortungsvoll mit Rechnungen um. Und wir möchten Zahlungsabläufe gerade in solchen Momenten möglichst diskret und würdevoll gestalten.
Bitte sprechen Sie uns nicht unsere Menschlichkeit ab, nur weil wir auch in einem schweren Moment wirtschaftliche Verantwortung übernehmen müssen.
Warum wir jungen Tierhaltern zu einer Versicherung raten.
Gerade Menschen mit jungen Tieren raten wir ausdrücklich, frühzeitig eigenständig eine geeignete Tierkrankenversicherung oder zumindest eine Operationskostenversicherung zu suchen und abzuschließen, soweit sie zum Tier und zur eigenen finanziellen Situation passt.
Wir empfehlen dabei bewusst keinen bestimmten Versicherer und vermitteln auch keine Verträge. Informieren Sie sich unabhängig, vergleichen Sie Leistungen, Ausschlüsse, Wartezeiten, Erstattungsgrenzen und Beiträge. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Angebote – entscheidend ist nicht der Name, sondern der tatsächliche Schutz.
Auch wir als Tierärztinnen, Tierärzte und tiermedizinische Fachangestellte müssen mit unseren eigenen Tieren manchmal in Spezialkliniken. Aufwendige Diagnostik, Intensivbehandlungen und Operationen können Tausende, im Einzelfall auch fünfstellige Beträge kosten. Wir kennen diese Belastung also nicht nur aus dem Gespräch mit Kunden.
Eine Versicherung ersetzt weder sorgfältige medizinische Entscheidungen noch persönliche Verantwortung und übernimmt keineswegs automatisch alle Kosten. Aber eine passende Absicherung kann verhindern, dass in einer ohnehin schweren Situation allein der Kontostand über wichtige Behandlungsmöglichkeiten entscheidet.
Deshalb sprechen wir das Thema möglichst früh an – nicht erst dann, wenn ein Tier krank geworden ist und eine Versicherung möglicherweise nicht mehr greift.
Kritik ist erlaubt. Beleidigungen, Drohungen und Zerstörung nicht.
In den vergangenen Monaten haben wir einiges erlebt. Wir wurden beschimpft. Mitarbeiter wurden persönlich angegriffen. Uns wurde sinngemäß angekündigt, man werde dafür sorgen, dass wir in Geisenheim keinen Fuß fassen. Auch an unserer Praxis und an Werbeschildern gab es Beschädigungen.
Irgendwann fragt man sich: Was ist passiert, dass Menschen glauben, so mit anderen Menschen umgehen zu dürfen?
Wir verstehen Enttäuschung, Wut und Verzweiflung, wenn ein geliebtes Tier krank wird oder stirbt. Wir wissen, wie belastend Geldsorgen sein können. Wir nehmen sachliche Kritik ernst und wollen Beschwerden prüfen.
Aber nichts davon rechtfertigt Drohungen, persönliche Herabwürdigungen oder Sachbeschädigung.
Wer unzufrieden ist, darf darüber berichten. Wer eine Rechnung nicht versteht, darf nachfragen. Wer eine Behandlung kritisch sieht, darf eine zweite Meinung einholen. Zwischen berechtigter Kritik und gezielter persönlicher Verletzung besteht dennoch ein großer Unterschied. Und diese Grenze ist für uns nicht verhandelbar.
Hinter jeder Behandlung stehen Menschen. Keine Maschinen.
Vielleicht sehen manche Menschen in einer Praxis vor allem eine Dienstleistung. Sie bringen ihr Tier, erwarten eine Behandlung, bezahlen eine Rechnung und gehen wieder.
Für uns ist es mehr. Wir halten Pfoten, beruhigen Patienten, führen schwierige Gespräche und begleiten Menschen, die um ihre Tiere weinen. Nicht selten fließen auch bei uns Tränen. Wir nehmen diese Erlebnisse mit nach Hause.
Wir haben diesen Beruf gewählt, weil uns das Leben der Tiere etwas bedeutet.
Deshalb tut es weh, wenn Menschen, die jeden Tag helfen wollen, öffentlich pauschal als herzlos, unfähig oder geldgierig dargestellt werden. Unsere Mitarbeiter lesen diese Worte. Sie hören die Beschimpfungen. Sie bekommen die Anfeindungen mit. Und ja, das macht etwas mit ihnen.
Es belastet, verunsichert und nimmt Menschen ein Stück Freude an einer Arbeit, für die sie einmal voller Motivation angetreten sind. Das sollte niemandem gleichgültig sein.
Wir hören zu. Aber wir möchten auch gehört werden.
Wir erwarten nicht, dass jeder Mensch unsere Praxis mögen muss. Wir erwarten auch nicht, dass alle mit jeder Entscheidung zufrieden sind. Wir wissen, dass wir Abläufe verbessern, verständlicher kommunizieren und als Team weiter zusammenwachsen müssen. Daran arbeiten wir.
Was wir uns wünschen, ist Fairness: Dass man mit uns spricht, bevor man über uns urteilt. Dass man nachfragt, bevor man etwas behauptet. Dass man unsere Mitarbeiter als Menschen behandelt. Dass junge Kollegen Entwicklungsmöglichkeiten bekommen und internationale Kollegen dieselbe Würde erfahren wie jeder andere.
Wir möchten keine Vorschusslorbeeren. Wir möchten eine faire Chance.
Wir haben uns bewusst für Geisenheim entschieden. Wir haben Personal eingestellt, Verantwortung übernommen und investieren Zeit, Kraft und Herzblut in den Aufbau der Praxis. Nicht, um uns gegen die Menschen im Rheingau zu stellen, sondern um für sie und ihre Tiere da zu sein.
An alle, die uns bereits Vertrauen schenken, ihre positiven Erfahrungen teilen, uns konstruktive Rückmeldungen geben oder an schwierigen Tagen einfach ein freundliches Wort übrig haben: Danke. Von Herzen.
Und an alle, die unzufrieden sind: Sprechen Sie mit uns. Geben Sie uns die Möglichkeit, zu erklären, Missverständnisse auszuräumen oder Fehler zu korrigieren. Wir werden nicht immer einer Meinung sein. Aber wir können respektvoll miteinander umgehen.
Denn am Ende haben wir doch alle dasselbe Ziel: Dass es den Tieren gut geht.
Und dafür stehen wir jeden Tag auf.
Wir machen diese Arbeit mit sehr viel Liebe. Wir geben Tag für Tag unser Bestes für Tiere und Menschen, obwohl auch unsere eigenen Tage nicht immer leicht sind. In einer Welt, die für viele schon schwer genug ist, muss man einander das Leben nicht noch schwerer machen. Ein bisschen Geduld, ein persönliches Gespräch, eine faire Rückmeldung oder ein freundliches Wort können sehr viel verändern. Vielleicht denken wir alle daran, bevor wir vorschnell urteilen oder einen Menschen im Internet an den Pranger stellen.
Ihr gesamtes callavet-Team
Bei uns steht nicht die möglichst schnelle oder möglichst lukrative Behandlung im Mittelpunkt. Wir möchten Medizin machen, hinter der wir fachlich und menschlich stehen können.
